Typisches Öko-Design von heute


Gibt es ein typisch grünes Design?
Auf mehr als 30 Jahre kann die Öko-Bewegung heute zurückblicken. Typisch handgemacht, improvisiert, eben authentisch und pur sollen die Angebote herüberkommen. Der Inhalt ist alles, so eine der Grundforderungen, damals.

Damals habe ich meine Designs von Hand illustriert, meine Textbotschaften und Titel gemalt. Die liebevoll, zeitaufwendig gestalteten Plakate und Handzettel gegen das Waldsterben, gegen den Atomstrom, gegen die Atomraketen und für den Tierschutz, für die Sommerzeltfreizeiten in idyllischer Landschaft, den Großfahrten zu Fuß, mit der Bahn, dem Fahrrad oder Kanu nach Lappland, Irland, Frankreich oder nur nach Österreich, haben den Zweck, den sie zu erfüllen hatten erfüllt. Mehr noch, sie haben gefallen. Damals habe ich auch den Entschluss gefasst zuerst Malerei und im Anschluss Grafik Design zu studieren, da mir die Selbstverwirklichung mehr bedeutete als ein geordnetes Leben mit einem “normalen” Beruf. Etwas kreatives tun, jede neue Herausforderung, die eine selbstgestellte Aufgabe oder eine Auftragsarbeit mit sich bringt hat gereizt. Auch heute noch. Wenn ich zurückblicke war es damals die richtige Wahl diesen Weg zu gehen und diese Wurzeln bis heute nicht wieder zu verlassen.

In den nun 30 Jahren hat sich vieles geändert, wurde geändert oder befindet sich immer noch in Veränderung auf der Suche nach einer neuen und zeitgemäßen Identität. Ich spreche vom Öko-Design. Es hat seine Zeit gebraucht und wird sie noch weiter brauchen um sich zu finden. Genau wie die Bewegung, die Menschen, die diese Bewegung ausmachen.
Doch wohin geht die Entwicklung?

Nicht immer ist der neu eingeschlagene Weg der Beste für ein Unternehmen mit typisch grünen Wurzeln. Tendenziell ist zu beobachten, dass dieses typische, was auch gleichzeitig eine Zugehörigkeit zur einer Szene bislang darstellte, sich in die Richtung einer Anpassung an “konventionelle” Designmuster entwickelt, in der Hoffnung eine noch breitere Zielgruppe in immer neuen Märkten und Nischen zu interessieren. Das betrifft nicht nur die Traditionsunternehmen, die zum Teil auf eine 90-jährige Geschichte zurückblicken können. Es ist der allgemeine Ran auf den potentiellen Käufer in einem Marktsegment, das mittlerweile auch Konkurrenz und billig produzierende Nachahmer zu spüren bekommt.

Nachvollziehen kann ich die Schritte, für die man eine über jahrzehnte gewachsene Grundphilosophie mit Tradition und typischem Charakter aufgibt, welche bekanntlich hinter einem visuellen Erscheinungsbild eines Unternehmens steht und damit die Identität ist, nur zum Teil. Doch was kommt nachdem die Wurzel verlassen wurden? Das neue Wunder?

Miterlebt habe ich diesen Wandelversuch, diese Gleichmacherei, durch meine Mitarbeit bei Walther Roggenkamp, dem tonangebenden Chefdesigner der Weleda AG Schwäbisch Gmünd in den 60er-80er Jahren. Vorausgegangen sind jahrelange Diskussionen und endlos neue Gestaltungsansätze für ein neues Verpackungsdesign der Weleda Pflegeprodukte. Neben den bekannten Vertriebswegen, den Apotheken, Reformhäusern und ausgewählten Bioläden sollten die hochwertigen, natürlichen Produkte mit den farbintensiven Packungen zukünftig auch in den Regalen der Drogeriemarktketten, zwischen den konventionellen Seifen, Ölen und Cremen, stehen. Wurden die, “im Einklang mit Mensch und Natur”, produzierten Produkte bisher in den Weleda eigenen Verkaufsständern in der typisch dekorierten Verkaufsecke gesammelt präsentiert, so sollen diese zukünftig, nach Warengruppen sortiert, in den Regalzeilen stehen und Kundinnen wie “Lieschen Müller” interessieren. Für diese neue, so “untypisch grüne”, Zielgruppe sollte ein passendes, gewöhnliches Verpackungsdesign kreiert werden. So war die Idee des damaligen Marketingteams. Schlussendlich wurde daraus nur eine Neuordnung der Produkte und Produktfamilien. Zum Glück, denn auch 20 Jahre später können wir uns weiter an den typisch bunten Packungen erfreuen.

Die Wunderheiler von heute sind die sogenannten “konventionellen” Werbeagenturen und Art-Directoren, die weder die Entwicklungen der Öko-Szene in den letzten 30 Jahren mitgemacht bzw. gelebt haben, noch den philosophischen Hintergrund besitzen und schlussendlich ihre Gestaltungsideen schlichtweg dem Produkt aufdrücken. Es sind aber auch die neuen, erfolgreichen Manager, meist aus klassischen, namhaften Unternehmen kommend, die jetzt mit den gleichen konventionellen Vorstellungen, gewachsene Strukturen wegwerfen um Neues, jedoch nicht immer Gutes, zu schaffen.

Das ökotypische, wie wir es von früher gewohnt sind verändert sich. Es wird professioneller, teilweise, aber nicht immer besser. Es wird auch nicht typischer sondern gleicher. Die junge, noch rauhe, Kost aus den 70ern und 80gern wird zur Feinkost. Öko wird zum Lifestyle und ist Trend. Das es eine breite Masse erreichen soll haben wir uns damals so sehr gewünscht und sind heute auch nicht glücklicher, wenn es jetzt “Bio” in den Supermärkten gibt und Öko-Denken zu guten Ton gehört.

“Grün” ist eine Lebenseinstellung und muss “anders” sein und dieses “anders sein” aber auch konsequent herausstellen. Authentisch, pur, transparent und gefüllt mit Phantasie und Vision, wie damals, nur zeitgemäßer und stylischer. “Grünes” Design muss aber auch mehr als nur Design sein. Denn durch die Addition von nur gut gestalteten Produkten entstehen allemal die zukünftigen Müllberge aber keine lebenswertere Umwelt.

Meine Forderung, als kreativer Kopf der “grünen Helden”, an ein ökologisches Design ist, Müll durch konsequente Dematerialisierung zu vermeiden, den Recyclinggedanken schon beim Entwurf miteinzubeziehen, selbstverständlich umweltschonende und ressourcensparende Rohstoffe einzusetzen sowie langlebige Produkte in wiederverwertbaren Verpackungen, statt Wegwerfprodukte, zu gestalten. Nicht zuletzt erfreut sich aber auch die ökokorrekte Ware eines ästhetisch schönen “Designs” und hilft, heute mehr den je, sich erfolgreicher zu verkaufen.

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