Kein Müll ist besser! – Gedanken über unsere Verpackung

Kein Müll ist besser! – Gedanken über unsere Verpackung


Verpackungen bilden ein komplexes System, das weit mehr umfasst als die Behältnisse, die wir in den Supermarktregalen sehen. Bevor sie dort eingeräumt werden, haben Unmengen an Plastikfolie dazu gedient, die Transportpaletten und -kartons vor Feuchtigkeit und Transportschäden zu schützen. Nach dem Kauf werden die Verpackungen vom Konsumenten in Plastiktüten nach Hause getragen und nach der Nutzung idealer weise in entsprechenden Plastikmüllsäcken entsorgt.

In unserem 5 Personen Haushalt bin ich für das entleeren des täglich anfallenden Mülls zuständig, nicht etwa weil diese Aufgabe grundsätzlich dem Mann im Haus zufällt oder weil auf Grund meiner Beschäftigung mit dem Thema Müllvermeidung ich mich zum Spezialisten ausgebildet habe. Nein, wir teilen uns schlichtweg die Aufgaben im Haushalt.

Fast täglich leere ich unsere eigens bereitgestellten Behältnisse für Glas, Pfandgut, Papier, Verpackungsmüll, organischen Müll und Restmüll. Immer wieder von neuem bin ich erstaunt und auch verärgert über das, was sich tagtäglich zusammenmüllt. Der Verpackungsmüll, bestehend aus Milch- und Saftpackungen, Katzen und Hundefutterdosen, Gläser für Aufstriche und Konserven, Müslipackungen, Getränkeeinwegflaschen, Konservendosen, Kunststoffpackungen für Wurst, Käse, Obst und Gemüse, Mehl-, Nudel- und Reis, Cremen, Öle, Reinigungsprodukte, Medikamententuben und Schachteln…. macht hierbei einen Hauptanteil aus.
Die Liste der Verpackungen und Umverpackungen kann ich endlos lange fortsetzen, denn alles was wir, zumindest über den Supermarkt, einkaufen ist aus den unterschiedlichsten Gründen mehr oder weniger aufwendig verpackt.

Nun könnte man mir nahelegen: „dann kaufe doch weniger von diesen Müll produzierenden Produkten ein!“

Ist ein Einkauf ohne den Verpackungsmüll heute überhaupt möglich?
Überfliege ich die Angebote der drei ortsansässigen Supermärkte und nehme alles Verpackte aus den Regalen, was bleibt da noch übrig?
Fleisch-, Wurstwaren, Käse, Obst und Gemüse sowie die Backwaren, also Nahrungsmittel die über die in erster Linie über die Theke verkauft werden.
Vergleiche ich nun die Angebote mit dem Bio-Supermarkt so ändert sich nichts. Eventuell, so kann ich erwarten, sind die Verpackungen zumindest nach ökologisch verantwortungsvollen Geschichtspunkten hergestellt worden. Diese sind jedoch genauso zweckgebunden und zur einmaligen Benutzung produziert worden wie bei den konventionellen Märkten.

Das Recycling
Nun ist es lobenswert, das wir für unseren Müll ein Recyclingsystem geschaffen haben, welches einmal verwendetes Material wieder einem Kreislauf zuführt. Siehe auch: Gradle to Gradle – einfach intelligenter Produzieren. Dies macht einerseits Sinn, da durch das Recycling wertvolle Ressourcen gespart werden und die Müllberge jetzt langsamer wachsen, andererseits aber trägt auch diese System nicht wirklich zu einer Müllvermeidung bei.
Auch ökologisch korrekt produzierten Verpackungen beruhigen allemal unser Gewissen. Auch wenn das Produkt aus dem Recycling stammt wird für jede Produktion Energie, bestenfalls aus natürlichen Quellen gewonnen, benötigt.

Grundsätzlich ist jedoch jede produzierte Verpackung zu viel. Wird sie dennoch benötigt, weil Inhalte länger frisch bleiben sollen, weil sie gegen Wärme, Licht und Transportschäden geschützt werden müssen, weil die Waren flüssig, viskos, körnig, pulvrig, mehlig… sind, weil der Gesetzgeber eine Verpackung aus hygienischen Gründen vorschreibt, stellt sich hier die entscheidende Frage:

Wie kann ich Verpackungen heute so herstellen um
– den geringst möglichen ökologischen Schaden anzurichten
– wertvolle Ressourcen einzusparen
– Energie bei der Erzeugung zu reduzieren
– eine Mehrfachnutzen anzustreben sowie
– eine Langlebigkeit zu schaffen?
– können diese Produkt wieder einem Kreislauf zugeführt werden welcher dann durch den Recyclingprozess den Rohstoff für neue Produkte schafft oder gar das neue Produkt selbst ist?

Als Designer der sich für eine ökologisch nachhaltige Medienproduktion ausspricht, stelle ich mir immer wieder die Fragen neu:
Wie können die Verpackungsalternativen aussehen?
Kann ich z. B. durch ein Umdenken die Verpackung einsparen und damit wertvolle Ressourcen und den zukünftigen Müll einsparen?
Sind wir heute gar schon in der Lage Verpackungen mit einem Verfallsdatum zu schaffen, welche nach der Nutzung wieder zu dem Material zerfällt aus dem es hergestellt wurden?
Oder könnte diese Welt zukünftig gar ohne Verpackungen auskommen?

Um einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen benötigen wir neue Fragen für neue Antworten. Wir benötigen den Mut etwas anders zu machen aber besser für unsere Umwelt für unsere aller Zukunft.

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